Berliner Schloss weggespart – gut so!

Wie man überhaupt ernsthaft planen konnte, das Berliner Schloss mit Unsummen als eine Art Potemkinsche Schlossfassade wieder zu errichten, hab‘ ich noch nie verstanden. Fehlt es denn irgendjemandem wirklich? Wäre nicht ein freier Platz in der Mitte eine wunderbare Chance, etwas ganz Neues zu entwickeln? Etwas, das es so noch nirgendwo gibt?

Sogar eine große Wiese finde ich angemessener als dieses Kleben an vergangener barocker Ästhetik. Gibts davon nicht schon genug in Berlin? Fragen über Fragen, die von den restaurierungswütigen Kräften dieser Stadt nie ernsthaft diskutiert wurden. Mir kommt die Schloss-Sehnsucht so seltsam vor wie der Hang zu Hedwig Courts Mahler-Romanen oder der Wunsch, statt einem Bundespräsidenten doch lieber wieder einen Kaiser haben zu wollen.

Nun ist das Schloss also erstmal eingespart, zumindest bis 2014. Es wäre auch extrem ignorant, „Schlösser aufzuführen“ wie der verrückte Bayern-König Ludwig II, während man den Hartz4-Beziehern das Elterngeld und den eh schon minimalen Rentenbeitrag streicht.

In einer Forsa-Umfrage hatten sich übrigens 80 Prozent der befragten Berliner dafür ausgesprochen, auf das Schloss angesichts knapper Kassen GANZ zu verzichten. Aber wir sind ja dran gewöhnt, dass es die Bau-Willigen nicht groß interessiert, was das Volk zu den jeweiligen Vorhaben so meint!

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ClaudiaBerlin

Autor: ClaudiaBerlin

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2 Kommentare

  1. Tout à fait d’accord. Gerade eine Wiese im Herzen der Stadt passt so wunderbar zu Berlin.

  2. Sehe ich genauso. Dieses Schloss ist (auch imaginär) ein Unding. Unbaubar!


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