Kleinere Probleme im öffentlichen Nahverkehr einer Weltstadt

Wir befinden uns gerade mitten im zweiten Entschuldigungmonat der Berliner S-Bahn und doch scheint es so, als handele es sich bei den Ermäßigungen nicht um Entschuldigungen für das letzte Chaosjahr, sondern vielmehr um eine Preis-Leistungs-Anpassung. So steht es in allen Zeitungen, und läuft es auf allen Kanälen, seit ein paar Tagen schon. Wenn das mal alles wäre.

Meine persönliche Erfahrung der letzten drei Tage war folgende:

Mit den S-Bahnen hatte ich Glück. Sie waren kaum überfüllt und kamen allesamt einigermaßen pünktlich. Was daran liegen mag, dass ich meistens nicht zu Stoßzeiten unterwegs bin.

Die Busse dagegen hatten größere Schwierigkeiten. Am Montag stand ich an einer Haltestelle mit 5-Minuten-Takt fast eine halbe Stunde und sah in der Zeit zwei Wagen mit der Leuchtschrift BETRIEBSFAHRT vorbeisausen. Die hatten wohl den Geist schon aufgegeben. Danach machte ich mich zu Fuß auf den Weg und erwischte gerade noch den Anschlussbus. Immerhin.

In der U-Bahn stand ich gestern etwas verdattert vor der Anzeige ERSATZVERKEHR zwischen Grenzallee und Mehringdamm. Vor jeder Infosäule sammelte sich eine kleine Traube Menschen und lauschte der Ansage: Leider ist zurzeit kein Platz frei, bitte versuchen Sie es wieder. Oder so ähnlich. Die klassische Hotline-Abwimmeldurchsage. Was denn nun? Hat es in den U-Bahn-Schächten auch geschneit? Oder steht da irgendwo ein herrenloser Koffer auf einem Bahnsteig, der erst noch beseitigt werden muss?

Die Suche nach einer Art Ersatzverkehrsbus gestaltete sich schwierig. Von der möglicherweise zuständigen Haltestelle, vor der sich etliche willige U-Bahnfahrgäste sammelten, kam in über 20 Minuten nicht einmal der reguläre Bus vorbei. U7 is not running, rief jemand ins Telefon. Andere liefen nervös hin und her. Meine letzte Rettung war ein flinker Trab, noch einmal 20 Minuten, runter zur Ringbahn. Die fuhr zwar bald, zu spät bei der Arbeit war ich dennoch. Der Anschluss in Richtung Steglitz hing dann wieder, wieder zirka 20 Minuten. Sinnvolle Durchsagen gab es nicht. Aber leicht verwirrende, weil ständig wechselnde Anzeigen auf den Tafeln.

Am Abend dann noch einmal ein zaghafter Busversuch, von der S-Bahnhaltestelle Sonnenallee aus. Zuvor wagte ich mich noch schnell einkaufen, der nächste Termin wartete schließlich erst in 60 Minuten, bei mir zu Hause am Telefon. Das sollte locker klappen, es sind ja nur vier oder fünf Haltestellen. Als ich dann mit dem Einkaufbeutel zurück zur Haltestelle kam, standen da immer noch dieselben Menschen. Und noch einige mehr. Verzweifelt sah mich gezwungen, einen Deal zu machen. Ich gab mir noch 10 Minuten Wartenzeit, bevor ich schleunigst loslatschen musste, um meinen Telefontermin noch zu schaffen.

Stramme 20 Minuten Fußmarsch über Schnee und Eis und durch Matsch. Hab ich dann auch gemacht, aber nicht, weil der Bus nicht gekommen wäre. Das ist er schon, aber er war so voll, dass ich beim besten Willen nicht mehr hinein gepasst hätte.  Zu meinen Termin habe ich gerade so geschafft.

Das waren jetzt nur ein paar Einblicke aus ganz persönlicher Sicht. Ich bin auch weit davon entfernt, den witterungsbedingten Gegebenheiten nicht eine gewissen Nachsicht entgegen zu bringen. Wirklich leicht ist es sicher nicht, die verkehrstechnische Logistik unter diesen Bedingungen durchzuziehen.

Was ich mich allerdings frage ist, wieso eine Stadt wie Berlin, es nicht mehr schafft, sich auf den jährlich wiederkehrenden Winter vorzubereiten? Ich meine, Berlin ist eine Weltstadt, die ihr öffentliches Verkehrsnetz hegen und pflegen sollte, um modern und zukunftsfähig zu sein. Und das in vielerlei Hinsicht. Oder etwa nicht?


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Ein Kommentar

  1. Ne, da hat sich jemand vor die U-Bahn geworfen.


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