Oberbaum City – die Lampenstadt

Der Teil von Friedrichshain, der direkt an der Oberbaumbrücke liegt, ist heute als Oberbaum City bekannt. Das eher ruhige Karree, zwischen Stralauer Allee, Lehmbruckstraße, Rudolfstraße und dem Warschauer Platz gelegen, ist geprägt von großangelegten Industriebauten aus dem frühen 20. Jahrhundert, die unter Denkmalschutz stehen und in den letzten Jahrzehnten ansprechend, aber vielleicht ein klein bisschen langweilig, saniert wurden. Herausragend ist dabei eines der ersten Berliner Hochhäuser, der 1909 errichtete Licht-Turm. Nach der Sanierung um fünf Stockwerke erhöht stellt er mit seinem markanten, scheinbar schwebenden, kühlen blaugrünen Licht ein einprägsames Markenzeichen der Gegend dar.

Davon muss ich in nächster Zeit unbedingt einmal ein Bild machen, kaum zu glauben eigentlich, dass ich gerade keines vorliegen habe. Der blaugrüne Würfel ist schließlich eine Art Orientierungspunkt, kaum weniger markant als der Fernsehturm am Alexanderplatz. Aber ein anderes Bild habe ich gefunden, das ebenfalls auf die industrielle Vergangenheit der Gegend hinweist.

Das Bild ist schon ein wenig älter, und bereits damals war diese Kneipe offensichtlich geschlossen. Heute existiert sie meines Wissens nicht mehr, zumindest nicht so. Der frühere Name deutet allerdings auf den Industriezweig hin, der früher in den erwähnten Industriegebäuden angesiedelt war. Die Firma OSRAM und später der Volkseigene Betrieb NARVA haben hier Glühlampen und andere Leuchtmittel produziert. Bis zu 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen waren bis zur Abwicklung Anfang der 90er Jahre dort beschäftigt. Heute zeugen nur noch Clubnamen o. ä. von dieser Vergangenheit, z. B. die Narva Lounge am Warschauer Platz. In den ehemaligen Fabrikgebäuden haben sich unterschiedliche Firmen angesiedelt, vorwiegend wird das riesige Raumangebot wohl für Büro- und Verwaltungszwecke genutzt. Verlage und Agenturen soll es geben, Schulungs- und Ausbildungszentren sowie eine Energieagentur und Call-Center natürlich. Produzierendes Gewerbe findet man, wenn man durch die Straßen geht,  nur wenig. Eine Druckerei gibt es, soweit ich weiß, und den üblichen bürobegleitenden Einzelhandel. Die Lampenstadt kommt recht unauffällig und aufgeräumt daher, ist aber nicht unattraktiv. Das sehe ich jede Woche beim Kieser Training, das (wie ich doch stark vermute) in einer der ehemaligen Werkshallen ausgesprochen attraktiv beheimatet ist.

Eine hochmodernre Gegend, wie mir scheint, befinden wir uns doch im mitten Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. Das passt! Wenn ich darüber allerdings ein klein wenig konkreter nachdenke, z. B. wie ich in den letzten Tagen nahezu verzweifelt auf der Suche nach ein paar guten alten matten 15-Watt-Glühlampen war – im Internet natürlich, sonst wäre das Unterfangen wohl vollkommen aussichtslos – dann stimmt mich diese Entwicklung trübe. Ich würde ja gern diese neumodischen Energiesparlampen nutzen, zur Not auch mit ihrem erhöhten Quecksilbergehalt, wenn es denn unbedingt sein muss. Obwohl mir das kontraproduktiv erscheint. Doch die üble Lichtqualität spricht häufig grundlegend dagegen. Ich mag einfach nicht permanent unter kaltweißer Bestrahlung leben. Ich möchte ein gelblich schimmerndes Funzellicht in meiner Küche, so wie immer schon und zwar für den Rest meines Lebens. Allerdings werde ich da wohl auf Kerzen zurückgreifen müssen, denn in der Lampenstadt werden die ja nun nicht mehr hergestellt. Aber das nur am Rande.

Diesen Artikel teilen:

Ein Kommentar

  1. Pingback: Rudolfkiez – Heimat des Modersohn-Magazins


Hinweis: Links zu kommerziellen Seiten werden gelöscht. Auch "Testseiten", sogenannte "Ratgeber" und andere reine MFA-Seiten (=gemacht für Anzeigen) fallen darunter.