Zur Sonne

Auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole. Oder daß ich all das wiederhole, was in Berliner Zeitungen oder Magazinen seit einiger Zeit in schöner Regelmäßigkeit immer wieder wiederholt wird. Ich sag’s trotzdem noch einmal: Neukölln ist in! Ohne jeden Zweifel.

Vor allem aber ist es in, darüber zu schreiben.

Die Siegessäule wartet in der aktuellen Ausgabe mit zwei Neuköllnartikeln auf. Einem Buschkowskyinterview und einem Reuterkiezbericht. Letzterer bleibt mit dem Zitat „hier sieht es schon deutliche weniger ranzig aus als noch vor fünf Jahren“ (Simon Raiser) ziemlich auf dem Teppich. Die Angst vor der „Verprenzelbergerisierung“ wird angesprochen, aber – durchaus realistisch, meiner Meinung nach – für „unwahrscheinlich“ gehalten. Dennoch haben natürlich „Szenekneipen, Shops, Galerien … neu eröffnet, Künstler ein Atelier gefunden“. Ist aber alles schon mal gesagt worden. Mehr als einmal.

Der aktuelle Tip zeigt sich wirklich mutig und thematisiert nicht den vielbeschworenen Reuterkiez sondern die Sonnenallee. Tatsächlich. Wo diese doch ihrem Namen nun wirklich keine Ehre macht, ganz im Gegenteil. Obwohl zweispurig wirkt sie eng, ist immer zu voll. Auch die Gehwege, zumindest im nördlichen, im Neuköllner Teil. Der ist eindeutig von arabischem Einzelhandel geprägt. Es gibt Shisha- und Falafelläden, besonders zu empfehlen sind die Holzkohlegrillhähnchen bei Ris A. Der Laden brummt, das ist unübersehbar. Es gibt Nüsse, Kräuter, Fisch und Gewürze in der Sonnenallee. Und zwar alles ziemlich günstig. Es gibt auch Möbel und jede Menge Kitsch, vereinzelt ein paar Cafés, in die ich mich nicht hintrauen würde. In der Annahme, daß Frauen dort nicht wirklich willkommen sind.

Vor allem aber ist die Sonnenallee schmutzig und laut. Sie ist hektisch auf jedem Millimeter. Und es gibt die eine oder andere Ecke, da warte ich nachts nur ungern auf den Bus. Im Tip wird zwar behauptet: „Langsam sickert Kreuzkölln in die Sonnenallee ein, …“. Ich weiß aber nicht so recht. Bislang sehe ich davon nichts.

Also alles nur Gerede und Geschreibe? Mein Vorschlag wäre, bei reuterkiez.net vorbeizuschauen, wenn man wissen will, was abgeht. Oder bei Rixdorfer Stadtschreiber, wo es fantastische Einblicke gibt. Eine weitere Möglichkeit bietet die Stadtschreiberin von Neukölln. Noch besser ist es natürlich, einfach mal selber hinzugehen.

Diesen Artikel teilen:

Ein Kommentar

  1. Pingback: Neukölln im Modersohn-Magazin


Hinweis: Links zu kommerziellen Seiten werden gelöscht. Auch "Testseiten", sogenannte "Ratgeber" und andere reine MFA-Seiten (=gemacht für Anzeigen) fallen darunter.