Pro Reli: es geht NICHT um freie Wahl!

Wenn ich was nicht mag, dann ist es das Verlackmeiern der Leute mit manipulativen Formulierungen! Und das tut die Initiative „pro Reli“, indem sie Ethik und Religion als Unterrichtsfach über den gleichen Kamm schert – und dabei Äpfel und Birnen vergleicht.

Ethik vermittelt Kenntnis über Wertesysteme auf weltanschaulich neutrale Weise – das Fach eignet sich also für staatliche Schulen, die sich aus der Vermittlung konfessionsgebundener religiöser Bekenntnisse meiner Meinung nach heraus halten sollten. Dass man „Religion“ als schulisches Wahlfach anbietet, ist bereits ein Zugeständnis, das aus meiner Sicht nicht erforderlich wäre: Religion sollte von den Kirchen in den Gemeinden vermittelt werden – was hat der Staat damit überhaupt zu tun?

Informationen ÜBER Religionen und ihre Wertesysteme können im Ethik-Unterricht gegeben werden – dann selbstverständlich nicht nur über christliche Kirchen.

Wer also das Konstrukt „Ethik/Religion“ als Wahlpflichtfach fordert (in dessen Rahmen dann zwischen Religion und Ethik gewählt, bzw. von den Eltern bestimmt werden kann), fordert die Möglichkeit staatlich organisierter Zwangsbeschulung im Sinne religiöser Erziehung. Den neutralen Ethik-Unterricht FÜR ALLE will diese Initiative damit faktisch abschaffen. In einer Demokratie darf man das fordern und vertreten – aber man sollte es auch korrekt benennen!

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Siehe dazu auch den Beitrag „Pro Reli – pro Privileg“ des evangelischen Pfarrers Karl Martin.  Und den SPIEGEL-Artikel „Kirche will kritischen Pfarrer auf Linie trimmen“.

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ClaudiaBerlin

Autor: ClaudiaBerlin

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7 Kommentare

  1. Ich finde Religionsunterricht an staatlichen Schulen völlig fehl am Platz. Aber unser Grundgesetz sagt in Artikel 7, Abs. 3, Satz 1:
    Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.
    http://tinyurl.com/yolruh

  2. Claudia

    Da hilft das Bundesverfassungsgericht weiter, das schon 2007 eine Beschwerde gegen das Fach Ethik abgewiesen hat:

    „Das Land könne entscheiden, ob es einen gemeinsamen Ethik-Unterricht als sinnvoller bewerte als eine „Separierung der Schüler nach der jeweiligen Glaubensrichtung“. Die Richter stellten grundsätzlich klar: Die „Offenheit für eine Vielfalt von Meinungen und Auffassungen“ sei eine Grundvoraussetzung für öffentliche Schulen, heißt es in ihrem Beschluss. Mit einem gemeinsamen Ethikunterricht für alle Schüler dürfe der Gesetzgeber der Entstehung religiös oder weltanschaulich motivierter Parallelgesellschaften entgegenwirken, sich um die Integration von Minderheiten bemühen und den Schülern eine gemeinsame Wertebasis vermitteln (Aktenzeichen: 1 BvR 2780/06)“

  3. Ich kann mich Claudia nur anschließen. Es gibt eine Vielfalt von Religionen, die Welt wird immer kleiner. Warum soll die christliche Kirche in Deutschland vorgezogen werden? Für den Religionsunterricht sollten die Kirchen zuständig sein, der Staat ausschließlich für den Ethikunterricht. Wer eine religiöse, d.h. konfessionsbezogene Erziehung seiner Kinder wünscht, der soll sich an seine Kirche wenden.

  4. Pingback: Hannaxels Blog » Kontra Pro «

  5. Ich finde, dass es eben doch um die freie Wahl geht! Zwang wird dann ausgeübt, wenn man alle Kinder in den einheitlichen Ethikunterricht zwingt.

    Für jeden christlichen Schüler ist es eine Zumutung, sich die oft unwissenden Ausführungen über das Christentum von einem womöglich atheistischen Lehrer anhören zu müssen.
    Insbesondere im Osten, wo es ja durchaus Lehrer geben soll, die früher als Staatsbürgerkundelehrer Marx, Engels und Lenin predigten und heute angeblich eine Ethik-Qualifikation haben, kann ich an einen neutralen Ethik-Unterricht nicht glauben.

    Im Religionsunterricht hat man sich genauso mit anderen Religionen beschäftigt – das eben auch durchaus mit einem qualifizierten Lehrer.

    Von daher denke ich, dass es eine freie Wahl geben sollte. Wer seine Kinder gerne in den angeblich neutralen Ethik-Unterricht stecken will, soll das tun. Wer aber sein Kind gerne in einen Religionsunterricht stecken will, soll dazu ebenfalls die Wahl haben.

    Ein Wahlzwang, wie einige Plakate polemisch titeln, ist eben immer noch besser als als der Zwang zu einem fragwürdigen einheitlichen Unterricht.

  6. Pingback: Pro Reli oder Contra?

  7. Ich schlage folgendes vor. Man nehme sich ein Kapitel aus einer x-beliebigen Bibel, ersetze jedes auf Gott, Jesus oder Heiligen Geist bzw. sonstigen göttlichen Wesen bezogenes Wort durch den schlichten Begriff „Wurstsalat“. Dann stelle man sich vor, ein wohlbeleibter Herr lese diesen Text von einer Kanzel in einer Kirche.
    Wie lange würde es dauern, bis diese Person mit den Herren mit Spritze und Zwangsjacke kollidieren würde?

    Seltsam ist, dass der andere, der da nicht „Wurstsalat“ in den Text eingesetzt hat, frei herumlaufen darf.

    Alles klar?

    Ich frage mich seit dem Auftauchen dieses Bin Laden immer stärker, wie man im scheinbar aufgeklärten Westen immer wieder mit der Tendenz konfrontiert wird, sich auch hierzulande in Richtung Mittelalter zu bewegen. Mal sehen, wann die ersten Leute auf die Scheiterhaufen geschoben werden, die nicht mehr an Wurstsalat glauben!

    Ich bin froh, dass in Berlin zumindest jene, die schon die ersten Hölzchen für diese Scheiterhaufen sammeln, kürzlich auf anständige demokratische Weise abgewatscht wurden. Das zeigt, dass die Mehrheit der Berliner keine Lust auf Mittelalter hat.


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