Gentrifizierung: Nach Mitte und Friedrichshain jetzt Neukölln?

Keine Frage, Gentrifizierung ist eines der Themen der nächsten Zeit. Kontrovers diskutiert, in Bars und an Stammtischen ebenso wie in Presse und Blogs, sogar in der Politik mitunter. Was das alles bringt, bleibt abzuwarten. Ob es etwas hilft? Oder ob es nicht vielleicht sogar positive Aspekte gibt? Der Umgang mit dem Phänomen könnte zumindest unterschiedlicher nicht sein: während einige den letzten ansprechenden Objekten in Prenzlauer Berg und Mitte nachjagen, sorgen sich andere bereits massiv um die in letzter Zeit wahrlich rasante Entwicklung im Norden von Neukölln.

Grob gesagt stellt sich die Lage in Berlin derzeit so dar: Mitte ist durch, Hackescher Markt und Helmholtzplatz können nicht mehr gerettet werden. Friedrichshain wird skeptisch bestaunt, aber noch ist selbst die Simon-Dach-Straße streckenweise durchaus erträglich. Immerhin wartet sie, neben den unvermeidlichen touristischen Massenabfertigungsbetrieben, mit etlichen kleineren Läden auf, die eine ganz eigene Mischung zwischen schick und gemütlich verbreiten. Und in Neukölln sind die Menschen größtenteils noch überrascht und erfreut über die doch eher positiv bewertete Bewegung, die so plötzlich in den Kiez gekommen ist.  Das gilt auch für die Vermieter, wie dieser Tage in einem taz-Interview mit dem Hausverwalter Bernd Girke nachzulesen war:

Wir haben jetzt auch angefangen, wieder etwas zu investieren, die Haustüren anzustreichen. Demnächst wollen wir uns an die Innenhöfe machen. Aber wenn wir jetzt nebenan das Haus aus den 50er-Jahren komplett sanieren – neue Isolierung, Fenster, Balkone, Fernheizung und so weiter -, dann kostet das den Besitzer locker eine Viertelmillion. Das hat er auch nicht so schnell wieder drin, selbst wenn jetzt die Miete erhöht wird wegen Wohnwertverbesserung. Also reich kann man damit nicht werden, nicht als kleiner Vermieter mit vier Häusern. Darum arbeiten unsere Vermieter ja auch beide noch, damit überhaupt was übrig bleibt. Zum Reichwerden muss man schon 500 Häuser haben.

Die Besorgnis dagegen hält sich in Grenzen:

 Na ja, in einem gewissen Umfang wird es natürlich schon eine Vertreibung geben. Aber Neukölln war immer ein Arbeiterbezirk, und da wird nicht heute oder morgen die Hautevolee hinziehen und die Preise in die Höhe treiben. Und die Preise, die wir jetzt erhöhen und die vielleicht etwas höher sind als normal, das können wir ja nur machen, wo wir neu vermieten. Ansonsten sind wir ja an den Mietspiegel gebunden, und daran halten wir uns auch. Und es wird ja nicht alles neu vermietet, es bleiben ja auch ein paar Leute hier wohnen.

Abwarten! Ich bin auch erfreut, weil ich hier in letzter Zeit so viel neues wachsen sehe. Dennoch bleibt in mir eine leichte Skepsis. Denn es klingt schon sehr danach, als wäre es genau so auch in Mitte und Friedrichshain losgegangen.

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3 Kommentare

  1. Gerade in ASUM-Broschüre gelesen:
    > Die Veranstaltung „Wohnen in der Innenstadt – bezahlbar oder Privileg?“ findet statt am,
    21. Januar 2010 von 17 bis 21 Uhr,
    im Leibniz-Gymnasium, Schleiermacherstraße 23, Kreuzberg.
    Zur Diskussion geladen sind Vertreter des Senats, des Bezirks und von Stadtteilinitiativen. Bürgerbeteiligung ist erwünscht.

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