Restmodern fotografiert Berliner Nachkriegsarchitektur

Berlin ist eine geschundene Stadt, auch und vor allem wenn man die Architektur betrachtet. Na gut, der neue Potsdamer Platz strahlt unangemessen vor sich hin und das einzigartige Ensemble auf der Museumsinsel ist Weltkulturerbe. Insgesamt betrachtet jedoch, abseits der zentralen Plätze und historischen Bauten, ist Berlin nach wie vor eine zerschossene und wieder zusammen geflickte Stadt. Die vielen Baulücken und freiliegenden Brandmauern zeugen davon. Ebenso die Uneinheitlichkeit, der nahezu überall vertretene Stilmix.

Ein in all dem offensichtlich verkanntes Element ist die Nachkriegsmoderne, 1945 – 1989. Dieser Baustil genießt keinen besonders guten Ruf, vieles wurde bereitwillig wieder abgerissen. In gewisser Weise kann ich das verstehen, ich bin auch nicht gerade ein Fan dieser Tristesse. Schließlich durfte ich in so etwas aufwachsen. Diese Betrachtung ist jedoch ein Fehler, findet zumindest restmodern.de. Ein Projekt, das sich darum bemüht, die verbliebenen Reste der aus dieser Zeit stammenden Bauten und Plätze zumindest auf Fotos festzuhalten:

Viele Bauten der Nachkriegsmoderne sind bereits abgerissen oder wurden bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Die verspielten Formen der fünfziger Jahre, die Grobschlächtigkeit der Sechziger, die menschelnde Architektur der Siebziger und die postmodernen Fassadencollagen der achtziger Jahre – das alles ist nur noch in Resten im Original erhalten. Unser Blick richtet sich auf diese Reste. Bevor es endgültig zu spät ist.

Schwerpunkt bilden allerdings nicht irgendwelche Highlights der Epoche, sondern vielmehr Gebäude in den Randzonen der öffentlichen Aufmerksamkeit:

Die von uns entdeckten Gebäude sind meistens keine Stars und wurden deswegen auch nicht so fotografiert, als seien es welche. Wichtiger waren Ausschnitte und Details, an denen auch die Spuren des täglichen Gebrauchs zu erkennen sind.

Zum Beispiel: der Metallzaun, Storkower Straße in Friedrichshain oder ein Autohändler, Böhmische Straße in Neukölln. Sehr schön ist auch die Rubrik Straßenmöbel. Sehenswert, in all seiner Häßlichkeit.

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