Das alte Berlin – auf mittelalterlichen Pfaden

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Berlin ist eine junge Stadt und das nicht nur, weil das Durchschnittsalter der Bewohner niedriger liegt als in manch einer anderen deutschen Großstadt. Oder weil es niedriger zu liegen scheint nach all dem Arm-aber-sexy-Gerede.

Berlin ist aber vor allem aus einem anderen Grund eine junge Stadt: 1987 wurde die 750-Jahr-Feier begangen, ohne das genaue Gründerjahr überhaupt zu kennen. Das Datum wurde recht willkürlich nach der ältesten, noch vorhandenen Berliner Urkunde bestimmt. Darin geht es zwar um einen Streit der Markgrafen mit dem Bischof von Brandenburg, bei dem es um den Zehnten ging. Doch am 28. Oktober 1237 wurde dieses Dokument von Symeon, einem Pfarrer von Cölln, unterzeichnet. Damit gilt es heute als erster Beleg für die Existenz von Berlin-Cölln.

Nachlesen kann man diese  Hintergründe Berliner Geschichte in dem handlichen Band Civitas Berolinensis von Steffi Kühnel, das soeben im Vergangenheitsverlag erschienen ist. Dort wird der Frage nachgegangen, ob es ein mittelalterliches Berlin gab und wo in Berlin heute womöglich noch Spuren davon zu finden sein könnten. Das Buch wartet mit vielen interessanten Fakten und vertiefenden Geschichten auf und ist mit zahlreichen historischen und aktuellen Bildern ausgestattet.

Vor allem aber gibt es drei verschiedene Tourbeschreibungen, anhand derer man auf alten Berliner Pfaden wandeln kann. Einmal geht es vom Spittelmarkt hinüber zur Fischerinsel und zum Schlossplatz. Wer Berlin ein wenig kennt weiß, dass sich auf dieser Tour nichts wirklich Mittelalterliches mehr finden lässt. Eher im Gegenteil, breite, vielbefahrende Straßen und Hochhäuser prägen das Bild. Mit ein wenig Phantasie und den im Buch zusammengestellten Eckdaten, klingt es dennoch wie ein hochinteressanter Spaziergang. Die zweite Tour schließt sich gleich an und führt vom Mühlendamm zum Alexanderplatz. Die dritte Wanderung befindet sich dann etwas außerhalb in Spandau und führt vom Gotischen Haus zur Zitadelle.

Ein lesens- und nutzenswertes Buch. Dazu kommt, dass zurzeit noch ein Highlight gleich auf dem Weg liegt: die Ausgrabungen am (derzeit nicht existenten) Stadtschloss.

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