Berlin – eine Fahrradstadt?

Neulich saßen wir MoMag-Autoren beim Italiener zusammen und quatschten ein bisschen über unsere Stadt. Dabei kamen wir auch darauf zu sprechen, wie es denn verkehrstechnisch so aussieht in Berlin. Da gibt es ja etliche Knackpunkte: die S-Bahn im Winter, der Bau oder Nichtbau der A100 und die vielen Fahrräder. Das werden immer mehr, so mein Eindruck. Deshalb habe ich auch die These vertreten, dass Berlin sich auf dem Weg zur Fahrradstadt befindet. Unterstützt wird das durch ein Ranking, dessen Ursprung mir nicht so recht klar ist. Aber die Kriterien lesen sich gar nicht so schlecht. Und dort steht Berlin immerhin auf Platz fünf. Das ist nehme ich mal als Bestätigung.

Obwohl ich als Motorradfahrerin gerade in dieser Jahrerszeit immer schwer abgenervt bin von den vielen Kamikazeradlern. Unbeleuchtet, dazu aber schick schwarz gekleidet, tauchen sie abends und nachts wie aus dem Nichts auf. Nebeneinander radelnd und quatschend mitten auf der Straße zwingen sie mich in den Gegenverkehr. Richtungszeichen werden als grundsätzlich überflüssig betrachtet, oder sie gelten nicht als Hinweis, sondern vielmehr als unmittelbare Absichtsverkündung, als Kampfansage sozusagen: Da fahre ich jetzt hin, egal was sich sonst dort befinden mag. Gestern zum Beispiel, die Frau mit dem Kindersitz hinten auf dem Rad. Streckt den Arm nach links aus und fährt mir, ohne sich auch nur einmal umzusehen, beinah direkt vors Vorderrad. Anschließend schlängelt sie über die Straßenmitte, huscht durch den Gegenverkehr und fährt zu guter Letzt fast einen entgegenkommenden Fahrradkollegen um.

Okay, genug geschimpft. Ich fahre ja auch selber Rad, ich kenne die Gegenseite. Ständig wird man geschnitten und übersehen, behandelt wie ein lästiges Insekt. Dabei ist man oft um soviel schneller als alles andere, was sich auf der Straße tummelt. Fahrradfahren ist in jeglicher Hinsicht sinnvoll und zukunftsträchtig. Und gerade deshalb finde ich, dass Berlin das Zeug hat, sich zu einer Fahrradstadt zu entwickeln. Obwohl es auch ziemlich gefährlich sein kann:

Der Fahrer des Betonmischers sieht den Mann nicht, der neben ihm auf dem Fahrradstreifen an der Kreuzung steht. Als die Ampel auf „grün“ umspringt, schlägt er das Lenkrad rechts ein und merkt erst später, dass er einen Menschen mit sich reißt und überrollt. Der Radfahrer, ein 60-jähriger Urlauber, hatte sich offenbar nicht vorstellen können, dass er auf einer großen Straße mitten in Berlin auf so tragische Weise übersehen wird. (Quelle)

Urban Cycling, wie es neudeutschenglisch heißt, hat also jede Menge Potential. Es gibt aber auch eine Menge zu tun, damit sich dieses Potential entwickeln kann. Sonst wird es womöglich in absehbarer Zeit recht eng für die Berliner Radler. Mal abgesehen von diesen zum Teil katastrophalen Radwegen …

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Ein Kommentar

  1. Kann ich nur bestätigen: Fahrradfahren oder „Urban Cycling“ in Berlin ist ein Vergnügen- aber auch gefährlich. Danke für den unterhaltsamen Artikel.


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