Modersohn-Magazin.de


Modersohn-Magazin
Start  -  Dieses Blog  -  Inhalt  -  Marktplatz  -  Archiv  -  Impressum/Kontakt  -  Datenschutz

Claudia Klinger am 26. November 2011

Und jetzt patzt auch noch Ströbele und mahnt Blogger ab!

Du lieber Himmel! Erst zerlegen sich DIE GRÜNEN im Abgeordnetenhaus im Streit um Fraktionsvorsitz-Stellvertreter-Posten (!), nachdem sie einen öden, inhaltsleeren und Künast-zentrierten Wahlkampf mit mäßigem Erfolg verbrochen hatten. Und jetzt patzt auch noch der Kreuzberg-Friedrichshainer Sympathie-Träger Ströbele und mahnt einen Blogger ab!

Der Auslöser des Geschehens war eher marginal: Ströbele und seine Frau Juliana Ströbele-Gregor sind dort geschwommen, wo man eigentlich nicht baden darf. Zwei Angler-Kids hatten – ob aus Versehen oder Absicht lässt sich wohl nicht mehr feststellen – mit einer Futterschleuder „Futterkugeln“ auf sie geschossen und Juliana am Kopf getroffen. Ströbele soll ziemlich ausgerastet sein, die Schleuder „konfisziert“ haben – und tags drauf hat seine Frau in seinem Beisein dann den „Schützen“ angezeigt. Dass er erst 13 war, wussten sie vielleicht nicht, denke ich mir dazu.

Das Heddesheimer Blog war zunächst einer Falschauskunft der Staatsanwaltschaft aufgesessen, die bei der ersten Anfrage angegeben hatte, Ströbele selbst habe die Anzeige erstattet. Für die direkten Anfragen des Bloggers war Ströbele zunächst nicht erreichbar, reagierte dann allerdings gleich mit einer kostenpflichtigen Abmahnung. Der bekannte Antwalt Jonny Eisenberg hat sich der Sache angenommen – beides Vorgänge, die so manchen erfolgreich einschüchtern und zum Verstummen bringen könnten.

Nicht so das Heddesheimer Blog. Selbstverständlich wurde der falsche Titel sofort korrigiert, es heißt jetzt:

Ehefrau von Bundestagsmitglied Christian Ströbele (Grüne) zeigte 13-jährigen Heddesheimer an.

Gleichzeitig erfahren wir jedoch im aktualisierten Vorspann zum Artikel Details rund um die Abmahnung, die zeigen, dass es Ströbele nicht allein um die Richtigstellung „nicht ich, meine Frau ist’s gewesen“ geht (die er auch ohne Abmahnung durch Kommunikation mit dem Blogger hätte haben können).

Zitat:

„Wir hatten auch Herrn Ströbele am 22. November (!) schriftlich um Antwort zur Sachlage gebeten – sofern Herr Ströbele geantwortet hätte, hätten wir natürlich sofort eine Korrektur vorgenommen. Tatsächlich verbittet sich Herr Ströbele laut anwaltlichem Schreiben jeglichen Kontakt von uns zu ihm – wir sollen nur über seinen Anwalt mit ihm kommunizieren und nahezu 800 Euro bezahlen. Der Anwalt hat uns darüber hinaus auch “jedwede auch nur indirekte publizistische Nutzung” der Abmahnung verboten. Wir nutzen die Abmahnung in keinster Weise publizistisch, informieren aber unsere Leserinnen und Leser über diese skandalöse Reaktion.

Herr Ströbele ist als Anwalt erfahren genug, um zu wissen, dass uns bei Einschaltung eines eigenen Anwalts die doppelten Kosten entstehen. 1.550 Euro für die Korrektur, dass nicht er persönlich, sondern seine Ehefrau in seinem Beisein die Anzeige gegen das Kind vorgenommen hat, erscheint uns weniger geeignet, “Persönlichkeitsrechte” zu schützen, als vielmehr eine freie Berichterstattung abstrafen zu wollen.

Das Heddesheimer Blog sammelt bereits Spenden für Anwalts- und Gerichtskosten. Der Schaden, der Ströbele und den GRÜNEN durch diesen Flop entsteht, dürfte allerdings gewaltiger sein. Man schaue sich nur mal die Kommentare unter dem Posting an: Da macht sich lange angestaute Wut und Enttäuschung über die GRÜNEN Luft, ebenso auf anderen Plattformen, wo die Sache diskutiert wird. Und Ströbele schürt immer weiter das Feuer, indem er sich jeglicher Online-Kommunikation verweigert, wie ein Kommentierer auf Lawblog schreibt (lesenswerter Kommentar!)

DIE GRÜNEN sind nicht mehr alternativlos

Derzeit bekommen die GRÜNEN schmerzlich zu spüren, dass sie nicht mehr „alternativlos“ sind. Vor allem bedienen sie schon lange nicht mehr die Hoffnungen auf eine „andere Politik“, die einst auch ihre Aktivisten und Wähler/ínnen motiviert hat. Diese Sehnsüchte richten sich jetzt auf die PIRATEN, die das Potenzial haben, die „Etablierten“ in Verlegenheit zu bringen – mit einem neuen Versuch, einen anderen Politikstil zu praktizieren, nach außen wie nach innen. Aber das ist ein größeres Thema, das ich vielleicht mal extra aufgreifen werde.

Mehr dazu:

Ströbele mahnt ab: Was ist eine Anzeige? (Lawblog);

Ströbele geht juristisch gegen Blogger vor (TAGESSPIEGEL);

Und auf Rivva.de kann man sich die Twitter-Resonanz zum Vorfall anschauen. Richtig witzig ist der Streisand-Generator mit dem Titel „Ströbele wars nicht!“

5 Reaktionen zu “Und jetzt patzt auch noch Ströbele und mahnt Blogger ab!”

  1. kommentator

    Was für ein anmaßender Duktus in diesem Artikel. Der Shitstorm geht vorbei, aber der Tritt in die Eier irgendwelcher Bloggerspinner bleibt. Sehr schön, Ströbele. Die Grünen sind doch wählbar!

  2. svenson

    Mensch, wenn schon GRÜNEN-Bashing, dann bitte etwas gehaltvoller. Wie wärs mal mit inhaltlich-politischer Auseinandersetzung statt Pseudo-Erregung über private Geschichten? BILD 2.0?

    Ist das der vielgespriesene NEUE STIL der Piraten (Topfwerferei ist ja so einfach…)? Wie unsymphatisch.

  3. Claudia

    @svenson: Nicht die „private Geschichte“ (die sooo privat ja nicht blieb) ist der Knackpunkt, sondern die kostenpflichtige Abmahnung gegen ein Blog unter Verweigerung normaler Kommunikation. DAS finde ich von Ströbele schon SEHR enttäuschend – ich hab ihn bisher immerhin schon dreimal direkt gewählt.

  4. Jürgen

    @kommentator, @ svenson:

    Der politische Ansprache von H.C.S. sieht die Kommunikation, das Miteinandersprechen als das wichtigste Instrument der Konfliktlösung vor, auch dann noch, wenn der/die/das Gegenüber als kommunikationsunfähig oder kommunikationsunwillig eingeschätzt wird. „Reden ist Gold“ könnte man auch als das Motto von H.C.S. nennen.

    Wenn H.C.S. bei einer Lappalie (nicht er habe die Anzeige erstattet, sondern seine Frau) einen bekannten Anwalt mit einer kostenpflichtigen Abmahnung losschickt, dann ist das ein Unding. Er führt seinen eigenen politischen Anspruch ad absurdum. Und er leistet dem Abmahnwesen, das im Pressebereich einzig und allein darauf angelegt ist, den Kontrahenten durch unangemessene zeitliche Fristen und völlig überzogene Kostennoten mundtot zu machen, Vorschub. Damit hat sich H.C.S. ins eigene Knie geschossen und selber ins Abseits gestellt. Ich kann nur hoffen, dass er bnicht noch mal als Direktkandidat antritt.

    Von Grünen-Bashing bekomme ich in der Sache nur wenig mit.

    MfG
    Jürgen

    Was den Anwalt angeht, der diese Abmahnung losgelassen hat (übrigens sehr leicht verdientes Geld“, kann man in V.i.S.d.P. von 09/2005 etwas über diesen und ähnlich agierende Anwälte lesen.

  5. Sven

    „Hardy Prothmann gründet Verein gegen Abmahnopfer“ (1. Dezember 2011)

    Ein halbes Jahr ist es her, seit Hardy Prothmann mit dieser Ankündigung die Unterstützung für einen seiner journalistischen Arbeitsunfälle mit vorantrieb. Viele spendeten vielleicht auch deshalb an Hardy Prothmann, um seine Idee mit zu unterstützen.

    Einen „Verein gegen Abmahnopfer“ initiiert von Hardy Prothmann gibt es übrigens noch immer nicht. Warum nicht? Wer kommt drauf…?

Modersohnbrücke
folge uns auf Twitter!

..oder abboniere den Newsfeed Newsfeed zum MoMag