Resistente Keime auf jedem 2.Huhn – stört es dich?

Es ist nicht etwa die Ausnahme: Hähnchenfleisch aus deutschen Supermärkten und Discountern ist massiv mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Auf zehn von 20 in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und in der Region um Stuttgart gekauften Fleischproben hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ESBL-Keime gefunden, zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet.

Massentierhaltung ist ein Gesundheitsrisiko

Die Keime entstehen, weil in der industriellen Tierhaltung systematisch große Mengen Antibiotika eingesetzt werden. Zigtausende Hühner stehen „Bauch an Bauch“ in einem Stall – und wenn nur eines krank wird, bekommen alle Antibiotika. Die haben auch den durchaus erwünschten Nebeneffekt der „Mastbeschleunigung“. Wer ist eigentlich so naiv und glaubt daran, dass Massentierhalter motiviert wären, mit Antibiotika sparsam umzugehen?

Demo gegen Massentierhaltung

ESBL-produzierende Darmkeime (Extended Spectrum Beta-Lactamase) und MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) können bei anfälligen Menschen zu schweren Erkrankungen bis hin zu Todesfällen führen. Antibiotikaresistenzen sind deshalb so gefährlich, weil in der Humanmedizin verabreichte Antibiotika ohne Wirkung bleiben können. In Berliner Kliniken werden mit den Keimen infizierte Patienten bereits vorsorglich von anderen Patienten getrennt.

15.000 Menschen sterben jährlich, weil ihnen kein Antibiotikum mehr hilft. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, wie man das Problem dermaßen verharmlosen, wie es Kommentatoren mit Ämtern und Funktionen allermeist tun – so nach dem Motto: Braten und kochen hilft, alles halb so wild. Mag ja sein, dass die Keime auf einem durchgebratenen Hähnchen lang verstorben sind – aber wer agiert denn in der Küche stehts 100%ig hygienisch einwandfrei? Und wer kann wissen, ob das der Imbiss-Inhaber tut, der pro Tag hunderte Hähnchen grillt?

Was tun?

Selber hab‘ ich länger schon die Konsequenzen gezogen und ernähre mich „unverbissen vegetarisch“. Auf traditionelle Fleischgerichte muss man nicht mal verzichten, sondern kann den kreativen Umgang mit Fleischalternativen wie Seitan und Sojafleisch erlernen. (Wer mal das Kopps in Mitte besucht, wird staunen, wie „nah dran“ man kommen kann!) Nebenbei spart das Geld und schützt auch das Klima.

Muss es wirklich mal Huhn sein, dass toppt ein Bio-Huhn übrigens auch geschmacklich den gewöhnlichen Gummi-Adler um Längen!

Online-Aktion: Das haben wir satt!

Um noch die Frage in der Headline aufzunehmen: Stört es dich, dass die Politik nicht mehr gegen den Antibiotika-Missbrauch unternimmt? Oder dass Hühner überhaupt in solch krank machenden Verhältnissen gehalten werden? Wenn ja, dann mach mit bei der Mail-Aktion des BUNDs – dauert nicht lang und ist immerhin etwas!

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Mehr Info dazu:

Pressemitteilung des BUNDs;

Antibiotika-Resistenzen in Hähnchenfleisch: Hintergrund und Ergebnisse der Stichproben;

Aufruf zur bundesweiten DEMO am 21.1.2012.

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ClaudiaBerlin

Autor: ClaudiaBerlin

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Ein Kommentar

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