Gentrifizierung: Protest gegen Verdrängung und andere Entwicklungen

Leben – Wohnen – Mieten, das ist und bleibt ein Berliner Thema. Zwar gibt es immer wieder die Argumentation, dass es in anderen Städten schließlich auch nicht anders aussähe, München, London, New York werden in dem Zusammenhang gerne genannt. Und dass wir in Berlin noch richtig Glück haben, zurzeit jedenfalls. Das stimmt, und es stimmt auch wieder nicht. Denn man sollte in dem Zusammenhang wohl auch die Löhne einbeziehen und vergleichen. Löhne, die in Berlin bekanntermaßen nicht gerade Spitzenplätze erreichen. Von daher: geschenkt!

Aktuell alles entspannt?

Meine „Mietsache“ hat sich mittlerweile, nun ja, ich sag mal: erledigt. Und zwar in dem Sinne, dass ich eine Teilzustimmung unterzeichnet habe und nun zahlen darf. Im Großen und Ganzen bewegt sich diese Erhöhung in einem erträglichen Rahmen, ich kann und will nicht wirklich meckern. Auch wenn es sicher das eine oder andere Mal eng werden wird, so ist das eben bei Selbstständigen. Für die dadurch bedingten Gehaltsschwankungen zeigt kaum ein Vermieter, Stromkonzern oder Telekommunikationsanbieter auch nur das geringste Verständnis. Ich habe mich also erkundigt, ob Selbstständige Wohngeld beantragen können, mein letzter Steuerbescheid bescheinigt mir rein rechnerisch durchaus eine Berechtigung. Und siehe da, es geht. Also habe ich das gestern gleich mal gemacht.

Währenddessen haben Freunde und Bekannte von mir in anderen Stadtteilen längst gekauft und suchen bereits nach weiteren Objekten. Wenn ich sie so reden höre, klingt das wie eine Ochsentour der ganz anderen Art, die sie diesbezüglich zu absolvieren haben. Die Suche nach den letzten Traumwohnungen in Berlin, denn nicht selten bekommen sie dabei gesagt, dass sie ca. 10 bis 15 Jahre zu spät dran sind. Tja.

Aber es ist doch fein, immerhin, dass das noch geht in Berlin. Dass wir am selben Tisch sitzen können und Spaß haben, auch wenn wir in derart verschiedenen Booten sitzen. Wer weiß, wie lange noch?

Mieter auf der Straße

Eine ganz andere Qualität haben dagegen die Proteste, die derzeit in Kreuzberg stattfinden. Das Protestcamp am „Kotti“ beschäftigt sich vorwiegend mit der Verdrängung aus, jawohl,  Sozialwohnungen:

Wenn von Gentrification und Verdrängung die Rede ist, dann geht es meist um Altbauten. Gerade die repräsentativen Gründerzeitwohnungen der Innenstadtviertel standen lange Zeit im Fokus des Modernisierungs- und Umwandlungsgeschehens. “Kein Wunder,” – war oft zu hören – “das sind ja auch wirklich gute Wohnungen und es können eben nicht alle im schön sanierten Altbau wohnen…”.

Die Entwicklungen in den Hochhäusern rund um das Kottbusser Tor zeigen, dass mittlerweile die Mieten selbst im sogenannten Sozialen Wohnungsbau die Verdrängungsschwelle überschreiten. Jedes Jahr werden die Mieten im Rahmen der Förderverträge um ca. 13 Cent/qm erhöht. Das mag angesichts der Mietsteigerungen in anderen Wohnungsmarktsegmente undramatisch klingen, ist es aber nicht. (weiterlesen im Gentrification Blog)

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