Ströbele, Friedrichshain, das Alter und ich

Ja, er will wieder antreten – ich hatte im Oktober darüber berichtet. Ob er es nochmal schafft? Daran zweifle ich nicht, denn wer kennt hier schon seine Gegenkandidaten  Björn Böhning (SPD), Halina Wawzyniak (Linke) und Vera Lengsfeld (CDU)? Ja sicher, die parteipolitisch Aktiven werden sie gewiss kennen, doch Christian Ströbele kennt eben jeder.

Der „Lobbyist für die Bürger“ und ewig erfolgreiche Direktkandidat im Wahlkreis „Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost“ ist jetzt 69, denkt aber nicht ans aufhören. Das verstehe ich, denn ich kann mir auch nicht vorstellen, mit meiner Arbeit irgendwann mal einfach aufzuhören. Das wäre wie freiwillig hinlegen zum Sterben.

Deja Vu

Allerdings bin ich auch froh, dass es nicht die aktive Politik ist, die mich in den Sarg begleiten wird. Das wäre mir heute zu stressig (und unbefriedigend).  Zwischen 26 bis 36 war es dagegen wundervoll: damals im Sanierungsgebiet Chamissoplatz Anfang der wilden 80ger.  Nach Friedrichshain bin ich viele Jahre später gezogen, von einem Zwischenspiel in Mecklenburg nach Berlin zurückgekehrt:  die Gerüste vor den Fassaden gaben mir so ein anheimelndes Gefühl, wenn ich drunter durch ging.  Es sah fast genauso aus wie im Chamissokiez vor und während der Sanierung.  Und alles, was ich dann von dem wahrnahm, was hier in Sachen „Stadtgestaltung“ so abgegangen war, kam mir vor wie schon mal selber erlebt – diesselben Fraktionierungen und Grüppchen, sogar das Outfit der „radikal Autonomen“ hatte sich nicht geändert.

Wie schön, da nur noch Zuschauerin zu sein. Eine, die schon mal eine Meinung hat, aber heute einfach wegziehen würde, wenn es ihr hier nicht mehr gefällt. Danach sieht es aber nicht aus, Friedrichshain ist eher hübscher geworden seit den 90gern, gemischter. (Türkische Immigranten vermisse ich als Alt-Kreuzbergerin allerdings immer noch!) Gegen helle Fassaden hab‘ ich nichts, gute Streetart gefällt mir, das allüberall die Wände verunzierende Geschmiere weniger. Und Autos anzünden finde ich voll daneben.

So ist es eben, das alt werden.

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ClaudiaBerlin

Autor: ClaudiaBerlin

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