Die Berliner Polizei und ihr Korpsgeist

Schnell noch ein kleiner Nachtrag zum Fall Ohnesorg. Hochspannend und nicht weniger erschreckend sind nämlich in dem Zusammenhang auch die Gedanken und Ausführungen des ehemailgen Polizeipräsidenten Klaus Hübner zum Thema Korpsgeist in der damaligen Berliner Polizei. Der scheint sich durch die Jahre und Jahrzehnte immer noch zu halten.

Der Korpsgeist sei damals ganz stark in der Polizei verbreitet gewesen, erinnert sich Hübner bis heute; er nennt es den „Duensing-Geist“, nach seinem Vorgänger Erich Duensing. Der ehemalige Truppenführer und Generalstabsoffizier im zweiten Weltkrieg hatte die Polizei in der Frontstadt West-Berlin als eingeschworene Gemeinschaft geformt, in der jedes Fehlverhalten von Beamten unter den Tisch gekehrt wurde.

Das prägte ganze Polizeigenerationen. Zum militaristischen Geist trug auch bei, dass die West-Berliner Polizei im Kalten Krieg für die West-Alliierten eine besondere Rolle hatte. „Die Polizei war zur Aufstandsbekämpfung ausgerüstet, mit Maschinengewehren und Handgranaten“, sagt Hübner. Erst Ende der 70er Jahre sei es ihm in mühseligen Gesprächen mit den Alliierten gelungen, die Polizei abzurüsten. (Quelle: Tagesspiegel)

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Ein Kommentar

  1. Korpsgeist ist fast immer ein Problem soziale Gruppen, die sich in einer Kampfsituation befinden.

    Die Polizei ist so eine soziale Gruppe, und sie ist bzw. glaubt sich in ihrem Kern im Kampf gegen das Verbrechen.

    Es ist in der Demokratie eine stetige Aufgabe, den Korpsgeist der Polizei so weit zu relativieren, dass die Polizei nicht am Ende genauso schlimm ist wie die, die sie bekämpft.


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