Neulich bei LIDL: Das ist kein Brot, das ist Müll!

(Dieser Beitrag erschien zuerst im Digital Diary, doch aufgrund des lokalen Bezugs poste ich ihn auch hier.)

Bin noch immer ganz fassungslos. Was ich vorhin bei LIDL erlebte, zieht mir echt die Schuhe aus! Ich WURDE LAUT, dort an der Kasse!

Und es braucht wirklich einiges, um mich wütend zu machen, meine Stammleser/innen wissen das. Meist bin ich diejenige, die für viel Fehlverhalten und suboptimale Zustände Verständnis hat, insbesondere für Menschen, die sich nun mal in den Zwängen ihrer ökonomischen Bedingungen bewegen müssen und nicht “alles anders machen” können, ohne ihren Job zu riskieren. Und auch für Unternehmen, für die ebenso gilt, dass sie nichts zu verschenken haben und sehen müssen, wie sie ihren Marktanteil in Konkurrenz zueinander halten bzw. erweitern können (weil “Stillstand ist Rückschritt” und Wachstum ein Muss).

Trotzalledem: Irgendwo ist Schluss mit lustig, mit Verstehen, mit brav sich alles bieten lassen, weil die Armen ja nicht anders können, nicht anders dürfen…

Was geschah?

Wer jetzt “was ganz Besonderes” erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Es ging nur um einen halben Laib Brot, genauer gesagt um die Sorte “Weltmeisterbrot”, geschnitten, und es waren ca. zwei Scheiben MEHR als ein halber Brotlaib.

Sowas bringt die LIDL-Maschinerie glatt zum ausrasten! Kundenfreundlichkeit, Mitmenschlichkeit, Vermeiden von Aufsehen, Flexibilität – vergesst es, das gibts bei LIDL nicht, wenn sich jemand anheischt, geschnittes Weltmeisterbrot in offenbar unüblicher Menge erwerben und natürlich bezahlen zu wollen. Denn merke: “Das ist kein Brot, das ist MÜLL!”

Es war so: Auf dem Weg vom Garten nachhause stoppte ich beim LIDL, der auf dem Weg liegt (Markgrafendamm 25c in 10245 Berlin-Friedrichshain). Zum Abendessen brauchte ich noch dies und das – und obwohl LIDL sich dadurch hervor tut, Veggie-Bedürfnisse im Vergleich zu anderen Discountern massiv zu ignorieren, war mir das für den Moment egal. Unter anderem legte ich BROT in meinen anstatt Einkaufswagen genutzten Karton. In Sachen Brötchen & Brot hat LIDL seit einiger Zeit ein breites “Frische-Regal”, in dem die aufgebackenen vorfabrizierten Teilchen und diverse Brotlaibe und “Stückchen” angeboten werden.

Im Brotregal gab es ganz unten eine große Schublade bzw. ein Fach, in dem sich geschnittenes Brot befand, ca. ein geschnittener Laub Weltmeisterbrot in Scheiben. Zuvor hatte ich in Betracht gezogen, das 750-Gramm-Weltmeisterbrot am Stück zu kaufen, das aber verworfen, weil es mir zuviel ist und früher schimmelt als ich es verbrauchen kann.

Wie schön! Offenbar hatten sie letzte Brote geschnitten, um sie vielleicht so noch loszuwerden. Ich fasste eine Scheibe an: frisch! Also nahm ich soviel Brot, wie ich brauchte, packte es in eine der dort angebotenen durchsichtigen Tüten und setzte meinen Einkauf fort.

An der Kasse dann das irritierte Einhalten der Kassiererin:

Sie: “Was ist denn das?”

Ich: “geschnittenes Weltmeisterbrot”

Sie: “hm…. ein Ganzes oder ein Halbes?”

Ich: “weiss ich nicht, mehr als ein Halbes, aber sicher kein Ganzes”

Sie: “das kann ich aber nicht eingeben!”

Ich, harmonie-geneigt erläuternd, wie ich dazu komme:

“Die Scheiben lagen doch aber da in einem Fach im Brotregal. Ich dachte, man solle sich nehmen, wieviel man eben braucht und das werde halt an der Kasse ausgewogen oder geschätzt”.

Sie: “Nöööö – und ich kann das hier nicht eingeben, nur als Ganzes!”

Ich: “Also für zwei Scheiben mehr als ein Halbes den Preis für ein Ganzes zu bezahlen, sehe ich nicht ein. Schließlich bieten Sie das ja so an, es stand nirgends eine Erläuterung, zu welchen Bedingungen man die Brotscheiben kaufen darf oder nicht!”

Sie: “… hm… aber ich kann das nicht eingeben!”.

Ich: “Sie werden doch aber irgend eine Möglichkeit haben, mit dieser nun mal eingetretenen Situation umzugehen?”

Sie: “Ja, da muss ich nachfragen, muss den Kollegen fragen.. ”

Greift zum Hörer, bittet um Hilfe. Ich denke mir: jetzt kommt hoffentlich jemand, der die Sache einfach mal schnell und “kulant” regelt, damit die lange Schlange wartender Menschen und ich als Kundin nicht weiter mit der Problematik der “Nicht-Eingebbarkeit” von 600 Gramm Weltmeisterbrot belästigt werde.

Weit gefehlt, ich hätte kaum mehr daneben liegen können, ich Dummchen mit dem positiven Menschenbild! LIDL scheint keinen Wert auf die genannten WERTE zu legen, denn es erschien ein Mann, maximal dreissig, spürbar hochmotiviert, aber nicht in meinem Sinne. Was die Kassiererin noch für möglich hielt (das “halbe Brot”), kam in seinem LIDL-Versum gar nicht erst vor. Auf meinen Vorschlag, mir eben den halben Preis zu berechnen, blaffte er mich (und die Kassiererin) an:

“Wir verkaufen keine halben Brote!”

Ich: Aber Sie bieten doch Brot in Scheiben an, dahinten im Brotregal in der untersten Schublade. Es stand keine Anleitung dran, dass man es nur in bestimmten Mengen entnehmen darf!”

Er: “Nein, wir haben keine solchen Schubladen!”

Ich: – – – – ? – – – – – (verstummt, weil echt perplex!)

Fassung wieder gewinnend:

“Doch! Dahinten am Brotregal, wo soll ich es denn sonst herhaben?”

Er reisst die Tüte mit den nicht ins System passenden Brotscheiben aus der Hand der Kassiererin und hält sie mir vor die Nase:

“DAS IST KEIN BROT! DAS IST MÜLL!

Ich, LAUT und ehrlich empört:

“Diesen MÜLL hätte ich jetzt gerne zu Abend gegessen!!! Ist das Ihr Ernst? Ich darf das Brot nicht kaufen und Sie wollen es lieber wegwerfen?”

Er: “Das ist Müll!” – entfernt sich mit der Tüte.

Meine Meinung zu diesem Event an der LIDL-Kasse hab ich dann tatsächlich noch laut zum besten gegeben. Die genaue Wortwahl erinnere ich nicht, vermutlich war es beleidigungstechnisch harmlos, aber inhaltlich deutlich. Im öffentlich laut Fluchen & Schimpfen bin ich unerfahren, doch die Ignoranz und Systemverfallenheit, die ich heute bei LIDL erleben musste, war einfach zuviel.
Unter anderem hab’ ich angesagt, dass ich darüber bloggen werde. Unter “Heute bei LIDL”, oder so.

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ClaudiaBerlin

Autor: ClaudiaBerlin

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3 Kommentare

  1. Hi Claudia, der Bericht ist einfach nur geil im negativen Sinne. Es ist ein Armutszeugnis unserer beschissenen Gesellschaft. Die Leute in dem Land in dem wir leben verblöden immer mehr und merken es nicht einmal. Kommerz orientierte Firmen wie Lidl, Mc Donalds oder auch OBI können gar nicht anders… Bei der Maße die sie verkaufen müssen um einen tollen Gewinn einzufahren ist alles in vorgegeben System und Rastern.. ein ausweichen aus dem System ist schlicht nicht mehr möglich. Die Gesellschaft ist abhängig von Artikelnummer und Preisen in Computersystemen. Was nicht in der Kasse drin ist kann eben nicht verkauft werden. Und Entscheidungsfreiheit hat natürlich eine solche Kassiererin auch gleich NULL. Der sogenannte Filialleiter von LIDL ist total überarbeitet und überfordert, da die Bereichsleitung sicherlich mehr verlangt als er leisten kann und dann ist solch eine Reaktion das armselige Ventil seinem Unmut mal Luft zu lassen. Was können wir dagegen tun? Einfach nicht mehr dort einkaufen gehen, sondern in kleinen Läden: die sind noch Mensch geblieben!!!!

  2. Hallo Claudia,
    das ist echt der Hammer!
    Aber es wundert mich nicht!Unfassbar, dass in diesen Läden null Flexibilität möglich ist und dass die tadelloses Brot in den Müll werfen!

    Lieben Gruß
    Angelika

  3. Hallöchen,
    Ich kann nicht verstehen wie man sich über so etwas dermaßen aufregen kann.
    Um sich gegen das System aufzulehnen ist der Supermarkt der falsche Ort. Die Angestellten machen nur ihren Job. Wenn du meinst du könntest was ändern wende dich an den Verbraucherschutz.

    Gruß
    Schmidti


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