20. August 2010
Heute morgen wurde ich von kreischenden Kettensägen geweckt. Entsetzt schaute ich aus dem Fenster und dachte, mich trifft der Schlag: man war da bei, mit Hilfe eines Skylifts die wunderschönen großen Bäume am Rudolfplatz abzusäbeln. Riesige Äste mit Durchmessern von 20, 30 Zentimetern lagen schon am Boden – total gruslig!

Erst dachte ich, die fällen die tatsächlich – weil wieder mal angeblich krank oder zu unsicher. Zum glück stellte sich heraus, dass es sich um ein “Zurückschneiden” handelte. Allerdings ein ausgesprochen DRASTISCHES!!! Offenbar ging es darum, dass auch ja keine klebrige Blüte mehr auf die parkenden Autos fallen darf – und dafür wird gleich ein Dritten der Kronen geopfert, auch die idyllische Überwölbung und Beschattung des Fußwegs. Eine grüne Pracht, die immerhin keiner einzigen Mietpartei auch nur eine Brise Licht weggenommen hat – aber unsere Blechlawine ist uns ja heiliger als alles andere!
So sieht das jetzt aus:

Ich finde es – mit Verlaub – zum Kotzen! Und wünsche mir ein Berlin, das so verarmt ist, dass an derlei übertriebene “Pflegearbeiten” im Traum nicht mehr zu denken ist! Wenn es denn nicht anders geht und sich diese Stadt und dieser Staat auch im 21.Jahrhundert noch nicht dazu verstehen kann, über solche ein-schneidenden Maßnahmen im konkreten Lebensumfeld die Anwohner mitbestimmen zu lassen.
Kategorie Alles, Berlin, Friedrichshain, Stadt gestalten | 5 Kommentare »
25. März 2010
Als interessierte Bürger aus Friedrichshain wollten wir uns mal einen Eindruck verschaffen, wie die öffentlichen Angelegenheiten unseres Bezirks so verhandelt werden. Abgesehen von gelegentlichen Postings zu Einzelthemen hatte ich bisher die Bezirkspolitik nicht im Fokus – weder persönlich, noch in diesem Blog.
Mit der Idee, dass sich das ja ändern könnte, enterten wir also zu zweit das Raumschiff BVV – ein BISSCHEN vorinformiert durch das Studium der Tagesordnung, über die ich am Montag schrieb. Mehr als die Titel der Anträge waren leider nicht online, so dass wir von den zur Behandlung anstehenden Themen nicht viel wussten – mal mit Ausnahme von öffentlich großflächiger bekannten Mega-Themen wie die Initative Mediaspree versenken.

Wie man auf dem Bild sieht, sind die Fraktionen der BVV (fast) vollständig anwesend – sehr lobenswert angesichts dessen, was man z.B. in Sitzungen des Bundestags erlebt! Äußerst spärlich fanden sich dagegen Bürgerinnen und Bürger ein: außer uns waren während unseres etwa zweistündigen Besuchs ca. 10 Leute von der Media-Spree-Ini da, sowie noch zwei drei weitere Zuhörer. weiter…
Kategorie Alles, Friedrichshain, Stadt gestalten | 4 Kommentare »
4. Januar 2010
Eine wahre Fleißarbeit hat sich Andrej Holm im Gentrification Blog gemacht: Ausführlich wird eine ganze Serie von TAZ-Artikeln zum Thema unter dem Titel “Die (Re)Thematisierung der Wohnungspolitik” übersichtlich zusammengefasst und bewertet.
Es geht um “wohnungspolitische Ignoranz”, umstrittene Baugruppen, Kommerzialisierung und “Touristification”, um Gewerbestrukturveränderungen in Kreuzberg und um die Ost-West-Unterschiede der letzten großen Hausbestzungsbewegung. Wer einen sachlichen Einstieg in die Diskussion jenseits der medialen Aufregung um angezündete Autos und Hassplakate sucht, ist hier richtig!

Kategorie Alles, Berlin, Stadt gestalten | 1 Kommentar »
18. Dezember 2009
Das alte Berlin wird es wohl auf der Freifläche zwischen Rathaus und Spree nicht mehr geben, auch nicht als Rekonstruktion. Das zumindest lassen die ersten fünf Entwürfe vermuten, die ganz andere Versionen für das Gebiet formulieren.
- Da fließt plötzlich Wasser und das Rathausforum wird zum Hafen. Vielleicht aber auch zu einem großen Planschbecken, denn so richtig ausgereift ist diese radikale Vision wohl noch nicht.
- Oder es geht in die Tiefe, in die Erde, um das mittelalterliche Berlin freizulegen. Ruinen also, als hätte Berlin nicht schon genug davon.
- Die ganze Welt ist eine Bühne, warum also keine Bühne mitten in Berlin? Mit ständig wachsender Gestalt, wahlweise eine Agora oder Piazza. Oder doch nur ein weiterer Rummelplatz?
- Was ist eigentlich eine Esplanade? Eine ebene Fläche, lese ich gerade nach, die als Schussfeld dient oder auch als Paradeplatz. Klingt ausgesprochen preußisch, kommt aber aus dem Französischen. Und wird heute für Plätze, Parks und Promenaden benutzt. Ein Hauch von Weltstadt?
- Und nicht zuletzt: ein Stadtpark! Viel Grün, viel Baum, viel Luft. Ein Ort für Menschen. Das klingt doch gut, auch für’s Klima. Das sollte in einer so großen Stadt schließlich nicht vernachlässigt werden.
Gestern Abend gab es eine erste Diskussion mit Berlinerinnen und Berlinern. Ich bin gespannt, was es heute darüber zu berichten gibt. Oder war vielleicht jemand persönlich vor Ort? Vor allem würden mich ein paar mehr Bilder interessieren, leider konnte ich aber keine finden.
Quelle und weitere Informationen: taz, 17.12.09
Kategorie Stadt gestalten | 0 Kommentare »
11. November 2009
Krisen haben auch was Schönes: das (geborgte) Geld sitzt nicht mehr so leicht in den Investorentaschen, also schrumpft so manches Großprojekt auf erträglichere Dimensionen zusammen. So geschieht es jetzt dem geplanten, 90 Meter hohen Hochhaus an der Ecke Elsenbrücke/Strahlauer Allee. Gut so!
Das Bezirksamt ändert den Bebauunsplan entsprechend, der Senat ist einverstanden und die Medien berichten über den schönen Erfolg für die Bürger: Das Hochhaus war den aktivien Media-Spree-Gegnern besonders widerwärtig, doch auch weniger engagierte Anwohner hatten keine Lust auf so einen Mega-Turm, der rundrum eine Menge Platz verschattet und insgesamt einfach nicht in die Zeit passt. Hochhäuser verbrauchen viel mehr Energie als andere: wie kann man in Zeiten der Klimakatastrophe überhaupt noch so dreist planen?
Dass sich das blödsinnige Vorhaben nun zerschlägt, ist aus meiner Sicht ein schöner Krisengewinn für alle: wären da Investoren Schlange gestanden, hätte der Senat weiter auf der alten Planung bestanden. Dem ist aber nicht so – wunderbar! Wegen mir kann Berlin ruhig “arm aber sexy” bleiben, anstatt reich und protzig zu werden.
*
Presse-Artikel dazu:
Kategorie Alles, Berlin, Stadt gestalten | 0 Kommentare »
19. Juni 2009
Noch einmal zur morgigen Flughafenbesetzung Tempelhof: Fragen und Antworten in der heutigen taz. Ich selbst schaffe es wahrscheinlich nicht – weder flink über den Zaun, noch in die Nähe des Geländes. Ich muss arbeiten.
Außerdem gibt es noch andere interessante Veranstaltungen in der Stadt: 1. die Demo gegen Internetsperren um 12 Uhr vor dem Willy-Brand-Haus in der Wilhelmstraße 140. Das ist die SPD-Parteizentrale, wie sinnig. Und 2. die Motzmesse, wie ich immer sage. Das lesbisch-schwule Stadtfest rund um Nollendorfplatz und Motzstraße. Auch da wird in diesem Jahr sicher viel Politik gemacht. Ein Stand schmiegt sich an den anderen, mit Westerwelle und Beck an vorderster Front. Wetten? Wahlvolk sammeln, Stimmvieh züchten. Das wird aber auch Zeit.
Kategorie Berlin, Stadt gestalten | 2 Kommentare »