ClaudiaBerlin am
12. September 2006

Da hängen sie wieder…

…die Wahlkampfplakate auf der Modersohnbrücke! Diesmal hat die SPD die Lufthoheit über dem „Ort der Kraft“ – ob es was hilft? In Friedrichshain-Kreuzberg sind traditionell die GRÜNEN stark. Ein wenig das Wasser abgraben wird ihnen die Linkspartei, von der sich viele Hartz4er am besten vertreten sehen – oder sehen das vor allem ehemalige Wessis so?

Irgendwie hat dieser Wahlkampf für mich nichts Spannendes, nichts Erregendes. Die Parteien und ihre Vertreter wirken durchweg provinziell, ich kann mir nicht helfen! Wowereit geht noch hin als Bürgermeister: er hat sich immerhin durch sein „und das ist gut so“ um die Akzeptanz sexueller Minderheiten verdient gemacht und zudem einen Spruch gelandet, der mittlerweile für alles und jedes verwendet wird. Aber sonst?

Vielleicht liegts ja auch an mir: ich schau nicht mehr so oft Abendschau, die Berliner Zeitung ist zum Info- und Entertainment-Häppchen-Blatt mutiert, die TAZ ist mir zu teuer und der Tagesspiegel zu langweilig. Ein richtig spannendes Berlin-Medium gibts eigentlich nicht – mal abgesehen vom Hauptstadt-Blog, das ich richtig klasse finde!

ClaudiaBerlin am
22. August 2006

Zwei Riesenräder für Berlin!

Eines am Bahnhof Zoo, eines am Ostbahnhof – die beiden Investorengruppen planen, was das Zeug hält: 175 Meter hoch, 185, wer bietet mehr? Der Senat sagt dazu lediglich: Es wird nur EIN Riesenrad in der Hauptstadt geben!

Ja warum denn? Es gibt ZWEI Fernsehtürme, ZWEI zoologische Gärten, ZWEI Sternwarten, dazu die Humboldt- und die Freie Universität, den Wannsee und den Müggelsee – Berlin verträgt die doppelte Dosis! DREI Opern waren und sind eine zuviel, aber mit der ZWEI kommen wir klar, das ist das Erbe der Geschichte: erwirb es, um es zu besitzen!

ClaudiaBerlin am
15. August 2006

Der Fluch der weißen Stühle

Indisches Restaurant KARMA am Rudolfplatz

Im Gebiet um den Rudolfplatz ist es deutlich ruhiger als im umtriebigen Boxhagener Kiez, wo sich Kneipe an Kneipe reiht. In der Simon-Dach-Straße herrscht ja manchmal regelrechte Oktoberfest-Stimmung, wenn die Touristen bei warmem Wetter in Massen strömen – hier dagegen ist nicht viel los, was mir auch echt gut gefällt! Trotzdem hab‘ ich mich gefreut, als Anfang 2003 Ecke Modersohnstraße ein Inder eröffnete: sehr preiswert, sehr freundlich, endlich ein Ort, wo ich mit Leuten essen gehen konnte, die ich nicht gleich zuhause empfangen wollte.

Restaurant Karma - innen

Nun war ich eine Zeit lang nicht dort gewesen, hatte aber gesehen, dass das KARMA eine neue Möblierung angeschafft hatte: edle weiße Stühle, die irgendwie gar nicht zum Stil des Restaurants passen. Kannte ich die nicht schon? Sind das etwa die Stühle, die mal im Edelweiß in der Sonntagstraße standen und dort die Leute verschreckten, weil damit alles viel zu FEIN wirkte??? Tatsächlich waren die Stühle dort der üblichen braun-hölzernen Kneipenbestuhlung gewichen – und prompt hatte sich das Lokal belebt. Ob es nun wirklich diesselben Stühle sind, weiß ich nicht, doch scheint mir eine Art „Fluch“ an ihnen zu hängen: wo sie stehen, mag kein Gast lang verweilen…. Weiterlesen →

ClaudiaBerlin am
28. Juli 2006

Berlingedichte?

…schrieb Dirk Schröder auf meine Anfrage, ob er nicht ein Gedicht beisteuern wolle.

„Na, ich wees nich. Aber zum Blog, bitte sehr ein Genicht:“

auf der Modersohnbrücke

Bock Blog zack
bücke die Brücke
schwänger Gleise
lang entlang
liebe Pärchen
Zwischenstücke
Sonne und Mond
hebe den Mund
den Kiez quietsch
Forschungsreise
Hackbrett und
Backblech, also
die Wörterei
S-Bahn, es glücke
das Blogsack

(am Ostkreuz notiert beim, Umsteigen von Wuhlheide nach Neukoelln mit Blick zur Brück)

Danke, Dirk!

ClaudiaBerlin am
27. Juli 2006

Vom Charme unaufgeräumter Orte

Gebäude auf StralauEin Grund, warum ich mir nach 20 Jahren Kreuzberg und zwei Jahren Stadtflucht in Mecklenburg nun Friedrichshain als Wohnort aussuchte, war der morbide Charme seiner „unaufgeräumten Ort“. Die Viertel zwischen Frankfurter Allee und der Spree erinnerten mich an das Kreuzberg der wilden 80ger Jahre. Ich fühlte mich heimisch beim Anblick der Gerüste vor vielen Häuserfassaden und genoß die Spaziergänge Richtung Stralau und Rummelsburger Bucht, wo es noch viele ungestaltete Plätze gab, die mir in fußläufiger Entfernung wahre Erholung schenkten: viel sich selbst überlassenes Grün, Brachland und große alte Backsteinbauten, die lang schon niemand mehr nutzte.

Die Verwilderung, die eintritt, wenn der Mensch mit so mancher Räumlichkeit nichts mehr anzufangen weiß, befreit den Geist und entspannt das Gemüt. Wo niemand mehr „Ordnung schafft“ fühlt man sich entlastet und frei. Die Abwesenheit jeglicher Nutzungen, das „dräuende Nichts“ bevor Investoren und Stadtgestalter zuschlagen, macht den Charme solcher „unaufgeräumter Orte“ aus, von denen Berlin einmal viel zu bieten hatte.

Heute ist davon leider nicht mehr viel übrig. In meiner Gegend kann man nur noch ein einziges Areal als „wild und ungeordnet“ erleben: das Gelände der alten Glasfabrik am oberen Ende der Halbinsel Stralau. Wie ich gelesen habe, stehen die alten Fabrikgebäude unter Denkmalschutz.

Gebäude auf Stralau

Aber man wartet auch auf Investoren, will mitten im familienfreundlichen Edel-Wohngebiet „Gewerbe ansiedeln“, und sogar ein Parkhaus ist in Planung, obwohl bereits jetzt Mietparkplätze leer stehen. Vielleicht weiß ja jemand Genaueres über das, was da werden soll?

altes Glasfabrikggebäude auf Stralau altes Glasfabrikggebäude auf Stralau altes Glasfabrikggebäude auf Stralau

(diese Bilder zeigen bei Mausklick mehr!)