Susanne am 4. August 2010
Für eine der letzten Dreckecken in der schönen neuen Mitte Berlins, das Künsterhaus Tacheles, geht es weiter um die Wurst. Keiner weiß, was geschehen wird oder geschehen soll. Jetzt soll ein Hungerstreik alles Übel abwenden, das heißt zunächst einmal die anstehenden Räumungen stoppen.

Die taz berichtete gestern von der Aktion I SUPPORT TACHELES – ein virtueller „Hungerstreik“, der in erster Linie auf Konsumverzicht abzielt. Aber die Künstler stünden aber bereit für einen echten Hungerstreik, versichert die Pressesprecherin des Tacheles. Falls das von den verantwortlichen wirklich gewünscht sei.
Solidarität ist also vorhanden, wie man sieht. Es gibt aber auch andere Sichtweisen:
Tatsächlich ist das Tacheles-Haus mit seinem vollgekritzelten Treppenhaus und den Schrottskulpturen im Garten längst ein Ort des Kommerzes. Durch das CafĂ© Zapata und die angrenzende Bar schieben sich Touristenmassen, in den Ateliers werden Berlin-Souvenirs feilgeboten. Die Subkultur, die in der Nachwendezeit hier wilde Skulpturen schweißte und Techno-Partys feierte, ist längst weitergezogen. Die ehemaligen Besetzer sind inzwischen so zerstritten, dass sie sich gegenseitig verklagen.
…
Von der linken Szene aber dürfen die Räumungsbedrohten keine Unterstützung erwarten. Eine Initiative namens “Schwarzer Phönix” erklärte, dass man die aktuellen Nutzer ruhig rauswerfen solle – um das Haus danach neu zu besetzen.
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Claudia am 28. Juli 2010
Der “Sommer im Quartier 2010″ dauert vom 30. Juli bis 12. September. Eine Ausstellung, verschiedene Filme, eine Benefiz-Lesereihe mit bekannten Schauspielern, die Zeitzeugen-Werkstatt und ein Family-Weekend gehören zum Programm der vom KulturRaum Zwingli-Kirche e.V. auf die Beine gestellten Veranstaltungsreihe.
In der Ankündigung des Vereins heißt es:
Ein Höhepunkt dieses Sommers ist das KulturRaum-Family-Weekend am 4. und 5. September. Im KulturRaum Zwingli-Kirche und drum herum finden fröhliche und gesellige Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene statt.
Die Auszeichnung als »ausgewählter Ort 2010« im Wettbewerb »Deutschland – Land der Ideen« für unsere innovative Stadtteil-Arbeit ist der 5. September. Wir laden Sie herzlich ein mit uns zu feiern.
Stars zu Gast: Ganz besonders aber freuen wir uns, dass sich eine Anzahl namenhafter Stars aus der Theater- und Filmwelt bereit erklärt haben, unser Engagement im Rahmen einer Benefiz-Reihe zu unterstützen:
Bruno Ganz, Jutta Wachowiak, Günter Lamprecht, Jutta Lampe, Otto Sander und Burghart Klaussner sind dabei. Wir haben sie gebeten, für uns aus einem Buch ihrer Wahl zu lesen. Michael Ballhaus wird persönlich seinen Film »In Berlin« vorstellen.
Karten vorbestellen:
Büro Kulturraum Zwingli-Kirche – Telefon 030 – 29 00 59 96.
Webseite: Kulturraum Zwingli-Kirche e.V.
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Susanne am 27. Juli 2010

Berlin ist eine junge Stadt und das nicht nur, weil das Durchschnittsalter der Bewohner niedriger liegt als in manch einer anderen deutschen Großstadt. Oder weil es niedriger zu liegen scheint nach all dem Arm-aber-sexy-Gerede.
Berlin ist aber vor allem aus einem anderen Grund eine junge Stadt: 1987 wurde die 750-Jahr-Feier begangen, ohne das genaue Gründerjahr überhaupt zu kennen. Das Datum wurde recht willkürlich nach der ältesten, noch vorhandenen Berliner Urkunde bestimmt. Darin geht es zwar um einen Streit der Markgrafen mit dem Bischof von Brandenburg, bei dem es um den Zehnten ging. Doch am 28. Oktober 1237 wurde dieses Dokument von Symeon, einem Pfarrer von Cölln, unterzeichnet. Damit gilt es heute als erster Beleg für die Existenz von Berlin-Cölln.
Nachlesen kann man diese Hintergründe Berliner Geschichte in dem handlichen Band Civitas Berolinensis von Steffi Kühnel, das soeben im Vergangenheitsverlag erschienen ist. Dort wird der Frage nachgegangen, ob es ein mittelalterliches Berlin gab und wo in Berlin heute womöglich noch Spuren davon zu finden sein könnten. Das Buch wartet mit vielen interessanten Fakten und vertiefenden Geschichten auf und ist mit zahlreichen historischen und aktuellen Bildern ausgestattet.
Vor allem aber gibt es drei verschiedene Tourbeschreibungen, anhand derer man auf alten Berliner Pfaden wandeln kann. Einmal geht es vom Spittelmarkt hinüber zur Fischerinsel und zum Schlossplatz. Wer Berlin ein wenig kennt weiß, dass sich auf dieser Tour nichts wirklich Mittelalterliches mehr finden lässt. Eher im Gegenteil, breite, vielbefahrende Straßen und Hochhäuser prägen das Bild. Mit ein wenig Phantasie und den im Buch zusammengestellten Eckdaten, klingt es dennoch wie ein hochinteressanter Spaziergang. Die zweite Tour schließt sich gleich an und führt vom Mühlendamm zum Alexanderplatz. Die dritte Wanderung befindet sich dann etwas außerhalb in Spandau und führt vom Gotischen Haus zur Zitadelle.
Ein lesens- und nutzenswertes Buch. Dazu kommt, dass zurzeit noch ein Highlight gleich auf dem Weg liegt: die Ausgrabungen am (derzeit nicht existenten) Stadtschloss.
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Rubrik: Wohin mit Berlin-Besuch? | 0 Kommentare »
Susanne am 20. Juli 2010
Das Kunsthaus Tacheles hat zu tun. Als letzte Bastion in der gut durchgentrifizierten Mitte Berlins stehen nun offensichtlich etliche Teilräumungen an. Ein erster Versuch am 14. Juli scheiterte, die Metallwerkstatt konnte gerettet werden. Weitere Räumungen sind aber bereits fest eingeplant. So zum Beispiel morgen, wenn das CafĂ© Zapata an der Reihe sein soll und am darauffolgenden Mittwoch, den 28. Juli.
Am Montag ist darüber hinaus eine Demo geplant. Unter dem Motto
Euer Leerstand darf nicht unsere Obdachlosigkeit sein!
geht es am 26. Juli um 13 Uhr vom Tacheles über das Quartier 206 bis zur HSH Nordbank Filiale. Die Bank ist Eigentümerin des gesamten Arreals und drängt offensichtlich auf eine Abwicklung noch in diesem Jahr.
Ob es tatsächlich so kommen wird? Keine Ahnung. Es wäre nicht das erste mal, dass Räumungspläne scheitern. Ansonsten wäre das womöglöich der letzte Sommer, um diesen einzigartigen Komplex zu besuchen.
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Susanne am 17. Juli 2010
Die Illusion vom kostenfreien Netzzugang überall in Berlin kocht in der Hitze des Sommerlochs gerade wieder einmal hoch. Na gut, nicht überall natürlich, nur in der Innenstadt. Aber immerhin, Klaus Wowereit selbst ist es diesmal, der sich für die öffentliche Drahtlosigkeit stark machen will. Weil man in Aachen sehen könne, wie es in der Praxis funktioniert. (Quelle: Tagesspiegel)
Natürlich ist das mit der Kostenlosigkeit ist so eine Sache, ein Luftschloss, ein Hirngespinst, eine Illusion. Davon weiß die taz zu berichten. Bereits der Anfang des Jahres begrabene erste Vorstoß in Richtung WLAN für Berlin wurde aus diesem Grund begraben:
In Berlin hatte das Unternehmen Airdata angeboten, ein öffentliches WLAN-Netz aufzubauen, und hatte von einem “kostenlosen Zugang” gesprochen. Zahlreiche Politiker, Medien und Internetaktivisten gingen diesem Marketingspruch auf den Leim und dachten, das Unternehmen wolle tatsächlich mehrere Millionen Euro in Berlin investieren, um dann jedermann einen kostenlosen und unbegrenzten Internetzugang zu schenken. Ein Sprecher der Aktiengesellschaft räumte zwar auf Nachfrage ein, die Investition solle sich schon rechnen, den genauen Weg dahin wollte er aber nicht bekannt geben.
Und auch in Aachen ist die Realität alles andere als kostenlos:
Der Elektronikkonzern Motorola hat in Aachen ein WLAN-Netz in Ampelschaltkästen aufgebaut. Das Netz deckt etwa die Hälfte der Innenstadt ab. Kunden des Kabelbetreibers Unitymedia können in Aachen kostenlos mobil ins Internet, wenn sie zu Hause auch einen Breitband-Internetanschluss von Unitymedia haben. Dieser kostet mindestens 20 Euro im Monat, die Mindestvertragslaufzeit liegt bei zwölf Monaten. Wer Kunde bei der Telekom, bei Alice oder einem anderen Anbieter ist, guckt in die Röhre – oder muss bei seinem Mobilfunkanbieter einen Tarif zum mobilen Surfen über das Handynetz kaufen.
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Susanne am 13. Juli 2010

Wasser ist ein Menschenrecht – unter diesem Motto haben sich verschiedene Initiativen und interessierte BügerInnen zu dem Netzwerk Berliner Wassertisch zusammengefunden. Erklärtes Ziel ist es zurzeit, die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe wieder aufzuheben. Aus diesem Grund wurde ein Volksbegehren auf den Weg gebracht, das die Berliner Wasserbetriebe dazu verpflichten soll, Verträge mit privaten Firmen öffenlich zu machen. Innerhalb von nur vier Monaten – bis zum 27. Oktober – müssen nun 170.000 Unterschriften zusammen gebracht werden. In Friedrichshain befindet sich die Sammelstelle beim Bürgeramt in der Frankfurter Allee, dort gibt es einen Straßenstand. Die Anlaufstellen für alle anderen Stadtteile können auf einer Karte nachgesehen werden.
Thema ist natürlich auch die hohen und extrem steigenden Wasserkosten in Berlin. In einem offenen Brief (PDF) an Harald Wolf, den Berliner Wirtschaftssenator und Aufsichtsratvorsitzenden der teilprivatisierten Wasserbetriebe geht es vor allem um die teuren Imagekampagne, die seit einiger Zeit bereits das Stadtbild prägt. 4,4 Millionen Euro sollen dafür ausgegeben worden sein, und das, obwohl es sich bei den „Wasserwerken“ um einen Monopolbetrieb handelt. Darüber hinaus heißt es in Bezug auf die mit Wasser erwirtschafteten Gewinne in dem Brief:
Allein im letzten Jahr waren es 270 Millionen €! Sie und wir wissen, dass die Wasserpreise seit 2001 um 35 Prozent gestiegen sind, Sie und wir wissen, dass wir im internationalen Städtevergleich die höchsten Wasserpreise zahlen; …
Wasser ist ein Menschenrecht, ein elementares Grundbedürfnis, mit dem sorgsam umgegangen werden sollte. Es ist keine Frage, dass das auch kostet. Aber 35% mehr in knapp 10 Jahren? Das klingt nach Umsatzmaximierung mit fragwürdigen Mitteln, zumindest bei einem Monopolbetrieb. Offensichtlich handelt es sich um ein weites Feld, das über das jetzige Volkbegehren noch viele Fragen aufwerfen wird. Da hat der Berliner Wassertisch wohl noch einiges vor sich.
(Weitere Infos gibt es via facebook und twitter)
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