ClaudiaBerlin am
18. Mai 2008

Raum- und Zeitschiffe: Über verfallende Gebäude

alte Glasfabrik auf StralauEinen bemerkenswerten Artikel über bemerkenswerte Orte schrieb Daniel Schaub im Abrissblog:

„Verschmelzungen“ handelt von „Räumen individueller und gesellschaftlicher Transformation“ und vermittelt mit seinem vor Substativierungen nur so strotzenden Soziologen-Jargon erstmal Fluchttendenzen. Und doch bleibe ich dabei, denn es geht um verlassene Gebäude, um Brachflächen und Stadtruinen, um all die Orte, die lange Zeit nicht gebraucht werden und mit ihrem Verfall eine interessante Abenteuerlandschaft mitten in der Stadt darstellen.

Schaub schreibt:

„Gebäude und Gebiete, die mit Prozessen des Verfalls und des Ausgegrenztseins zu beherrschen versucht werden, stehen exemplarisch und stellvertretend für eine generelle Entwertungslogik, die Menschen in der umfassend erodierten Arbeitsgesellschaft handlungsunfähig macht, sozial isoliert und stigmatisiert“.

Wie bitte? Will man tatsächlich „ein Gebäude beherrschen“ bzw. es versuchen, indem man es sich selbst überlässt und nicht nutzt? Das mag im Falle der Entmietung eines Wohnhauses stimmen, die den Raum für eine Modernisierung ebnen und die restlichen Mieter vertreiben soll. Aber doch nicht im Fall großer Fabrikgebäude, wie etwa der alten Engelhard-Brauerei auf Stralau, wo nach der Wende die Produktion eingestellt wurde. Wer jemals dieses Gebäude von außen und innen besichtigt hat, kann gut verstehen, dass es nicht leicht ist, dafür eine neue Nutzung zu finden. Böse Absicht? Herrschaftsallüren? Naja…

Friedrichshainpalast

Bezüglich der Beendigung der Produktion kann man das evtl. sagen, wenn man der Meinung ist, dass alle Produktionsstätten der ehemaligen DDR hätten erhalten werden sollen. Aber der Leerstand selbst ist m.E. nur der Ausdruck des Scheiterns angesichts einer Aufgabe, die riesige Investitionen allein fürs Gebäude bedeutet. Klar, dass es schwer ist, eine Nutzung zu finden, die die erforderlichen Aufwendungen auch mal wieder einspielt. Berlin hatte und hat unglaublich viele brach liegender Gebäude. Sie alle mittels Steuergeldern aufzufitten und in Kunst- und Kulturzentren umzuwandeln, kann nur jemand andenken, der sich geistig im Reich der Utopie aufhält, nicht auf dem Boden der Berliner Haushaltslage.

im Flaschenturm

„Diese zerrütteten Räume markieren Bruchstellen im Gesellschaftsgefüge – sie bilden die notwendigen Lücken, um individuelle und gesellschaftliche Verengungen und rigide Kategorisierungen zu durchqueren, indem freies, experimentelles Denken möglich wird. Randständige und verfallene Gebäude fungieren als eine Art Transfermedium – sie sind nicht einfach nur Boten, noch viel weniger einfach nur Botschaft, denn sie lassen das Spiel gegenseitiger Projektion zu. Diese Möglichkeit unverfälschter und uneingeschränkter Interaktion macht sie zu wertvollen Schätzen in einer vom Sicherheitswahnsinn geplagten Gesellschaft, die Vielfalt und Bewegungsoptionen unentwegt reduziert.“

In einfacheren Worten: Weil ich mir angesichts einer solchen „Stadtruine“ überlege, was man damit machen könnte, denke ich „frei und experimentell“ über vielerlei Möglichkeiten nach – stimmt! Ob das Gebäude dadurch aber wirklich als „Bruchstelle im Gesellschaftsgefüge“ fungiert, bezweifle ich, denn sobald ich damit beginne, eine Idee umzusetzen (mal angenommen, man lässt mich bzw. ich hätte die Mittel), befinde ich mich inmitten der ganz normalen „Verwertungslogik“ und muss zusehen, dass zumindest die Instandhaltungskosten durch meine Aktivitäten wieder rein kommen.

Mir wär es am Liebsten, man würde manche Gebäude einfach so lassen: gar nichts tun, außer vielleicht gelegentlich das Dach reparieren, damit es nicht ganz zusammen fällt.

ClaudiaBerlin am
16. Mai 2008

Müll wie in der dritten Welt

Ja, so mutet es mich an, wenn ich vom S-Bahnhof Warschauer Brücke mal so über die Geleise schaue!

Müll an der Warschauer Brücke

Von OBEN sieht es nicht besser aus, wobei das folgende Foto schon zwei Monate alt ist:

derselbe Müll

Die Pfingstaktion der BSR zur Bereinigung von Dreckecken konnte hier nicht helfen, denn da ist ja DIE BAHN zuständig. Und die schert sich einen Dreck drum, ob es rund um ihre Bahnhöfe aussieht wie in einer Drittweltstadt, wo Müllbeseitigung noch ein Fremdwort ist!

ClaudiaBerlin am
30. April 2008

Heraus zum 1.Mai – aber wohin?

Für viele Friedrichshainer ist gewiss die Mayday-Parade der „natürlichste“ Start in den 1.Mai – hier der Verlauf:

Banner: Ich-Pause - Liebe, Geld und SelbstausbeutungUm 14 Uhr startet die Demo der „SuperheldInnen des prekären Alltags“ direkt am Boxhagener Platz. Unter dem Motto „be.STREIK.berlin – Organisiert das schöne Leben“ geht es dann über die Grünberger und Wedekinds- zur Marchlewskistraße. Kurz vor der Warschauer Brücke biegt man wieder auf die Warschauer Strasse ein, wo dann auf der Brücke die erste Zwischenkundgebung statt, die dem Thema „Mediaspree“ gewidmet sein wird. Dann geht’s über die Oberbaumbrücke, die Skalitzer hoch, scharf rechts in die Wrangelstrasse, wo vor Lidl Kundgebung No. 2 stattfindet. Zurück auf die Skalitzer und ab zum Spreewaldplatz, wo der Abschluss stattfinden wird. (Info via Maydayberlin).

Kottbusser Tor, Oranienplatz, Mariannenplatz:

In Kreuzberg lockt wie jedes Jahr das Myfest – auf allen bekannten Bühnen und Plätzen wird (ebenfalls ab 14 Uhr) wieder die Post abgehen, doch wird allgemein angenommen, dass es dieses Jahr wieder recht friedlich bleibt. Hier das Programm, gleich mit Plan, wo was stattfindet.

Und wer keinen Bock auf den großen Trubel hat, kann auch in der Luna-Bar neben der Modersohnbrücke abhängen. Heute sah es da noch so aus:

Luna-Bar in Freidrichshain

Natürlich nur „bei Wetter“ – und das, so höre ich, ist leider alles andere als gesichert!

ClaudiaBerlin am
29. April 2008

Die Strandbar in Friedrichshain

Es sieht ganz so aus, als werde die Strandbar neben der Modersohnbrücke zum 1.Mai öffnen. Die Stühle stehen schon bereit und ein neues Wandbild, über das man sicher geteilter Meinung sein kann, schmückt die Rückwand von Rewe:

Strandbar in Friedrichshain

Auch hier wird letzte Hand angelegt. Das alte Motiv „A.GÄHNS“ ist verschwunden, die Betreiber setzen auf neue „Tapeten“ überall:

Strandbar

Fragt sich nur noch, wie die Strandbar jetzt heißen wird. Der „Luna-Garten“ scheint verschwunden zu sein.

ClaudiaBerlin am
25. April 2008

Das Café Royal im Rudolfkiez

Lange Zeit erschien das Gebiet rund um den Rudolfplatz als gastronomische Wüste, in dem zwar immer mal wieder ein Wirt versuchte, dagegen zu halten, was jedoch „mangels Masse“ meist erfolglos blieb. Zuwenig Anwohner, keine Touristen, allenfalls tagsüber suchen ein paar Beschäftigte aus der Oberbaum-City nach dem schnellen Mittagessen.

Royal in Friedrichshain

Als ich nun gestern durch die Rotherstraße schlenderte, fiel mir auf, dass es sich doch deutlich belebt hat: Das aus einem Fast-public-View hervorgegangene „Café Royal“ ist zu einem gemütlichen Restaurant mit „Wohnzimmer-Atmosphäre“ geworden, dass täglich wechselnde Menüs zu erschwinglichen Preisen anbietet (und gute Zeitungen zum Lesen!). Dass es gefällt, was dem Gast geboten wird, kann man im Szeneblog von Walter Vult und bei instantflorian.de nachlesen. Weiterlesen →